Alljährlich beobachten wir, wie sich das Stadtbild hierzulande schon Ende September auf das Weihnachtsfest einstellt;
- dekorative Straßenbeleuchtung
- Weihnachtsmärkte allerorts
- geschmückte Kaufhäuser voller „Weihnachtsangebote“
- überfüllte Innenstädte
- Menschen, die vollbepackt mit Tüten hin und her eilen
- Fernsehprogramme, die die Atmosphäre weiter anheizen
- Schulen, die die Kinder auf die Weihnachtszeit vorbereiten
- Kirchen, die sich über Besucher freuen
- die Weihnachtsansprache der Staatschefs an ihre Nationen
- Berichte über die Weihnachtsfeierlichkeiten westlicher Soldaten im fernen Afghanistan und vieles weitere mehr
Laut den amtlichen Statistiken des deutschen Einzelhandels beträgt der Umsatz zum Weihnachtsgeschäft in den Monaten November und Dezember mit über 70 Mrd. € fast ein Drittel des gesamten Jahresumsatzes. Auch die über 5.000 Weihnachtsmärkte allein in Deutschland verzeichnen einen Umsatz von über 5 Mrd. Euro. Somit ist Weihnachten ein willkommener Anlass für den organisierten Einzelhandel zur Profitmaximierung und stellt zudem für den Staat die Grundlage für fest einzuplanende Steuereinnahmen.
Den intensiven Kommerz des Weihnachtsgeschäftes kritisiert der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, mit den Worten: „Wenn der Einzelhandel schon Ende September in die Weihnachtszeit startet, geht etwas kaputt…Wenn immer Shopping ist, wird alles zur Ware.“
Wenn wir uns allerdings historisch mit dem Säkularismus beschäftigen, so ist festzuhalten, dass die Denker der Aufklärung und die Geistlichkeit sich mit der Französischen Revolution im gegenseitigen Kompromiss darauf einigten, dass die Religion von den täglichen Angelegenheiten des Lebens zu trennen sei. Die Willkürherrschaft der Könige und des Klerus hatte unvorstellbares Leid über die europäischen Bevölkerungen gebracht, so dass vor allem die Denker und Philosophen nach Auswegen aus dieser gesellschaftlichen Misere suchten. Ihre Erkenntnisse gipfelten dann in der Geburt der schon in der Bibel verankerten Idee des Säkularismus, wenn es im Lukas Evangelium heißt: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Die Kirche akzeptierte ihre gesellschaftspolitische Entmachtung und die Stutzung ihres Einflusses auf die Sonntagspredigt und die Dominanz der Ideen von Machiavelli, Rousseau und Hobbes in der restlichen Wochenzeit.
Nach und nach setzte sich die neue Ideologie in der Folgezeit der Industrialisierung auf dem europäischen Kontinent durch. Der Mensch erhob sich zum Souverän und alleinigen Gesetzgeber. Reaktionär zu den gesellschaftlichen Restriktionen zu der Epoche des Absolutismus, deklarierten die Verfechter der säkularistischen Idee neue Freiheitsdefinitionen, die heute vor allem in Form der Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit, persönlichen Freiheit und der Eigentumsfreiheit als die „heiligen Kühe“ des Säkularismus gelten. Diese Freiheiten gelten als universelle Werte und werden als Voraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft betrachtet. Im Zuge der Dominanz der wirtschaftlichen Prozesse auf gesellschaftliche Entwicklungen, gilt die Eigentumsfreiheit mit dem Gedanken der Profitmaximierung als treibende Kraft in den kapitalistischen Demokratien. Die kapitalistische Idee versucht, sämtliche Möglichkeiten sich ihrer dienstbar zu machen, um maximalen Profit zu erzielen.
Daher gilt auch das eigentlich in heidnischer Tradition entstandene Weihnachtsfest als opportune Gelegenheit, um eine Atmosphäre zu schaffen, die im entfesselten Konsum der Bürger mündet. Gleichzeitig entsteht im Zuge dieser Atmosphäre die Mär vom „Fest der Liebe“ und einer „besinnlichen Zeit“, die einen betäubenden Schleier über die imperialistischen Kriege und die Not und das Elend in der Welt wirft, die durch die kapitalistischen Staaten hervorgerufen wurden. In den letzten Jahren hat der Kapitalismus neben Weihnachten auch andere Traditionen aus der Mottenkiste herausgeholt um die Menschen im Konsumrausch zu halten, wie z.B. den Valentinstag, Halloween, Ostern, den Muttertag und weitere Feiertage mehr.
Dabei ist Weihnachten ein Fest der heidnischen Römer gewesen, die damit als Erntefest die Wintersonnenwende (Rückkehr der Sonne) feierten. Dabei wurde Saturn, der Gott bzw. die Götze ihrer Saat, geehrt. Als 529 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion des Römischen Reiches wurde, erhob Kaiser Justinian Weihnachten zum Staatsfest.
Für die Muslime in Europa bedeuten die Weihnachtszeit und das anschließende christliche Neujahrsfest Möglichkeiten der Beeinflussung vor allem ihrer Kinder und Jugendlichen im Zuge der von den gesellschaftlichen Kräften hervorgerufenen Atmosphäre der Feierlichkeiten und „guten Stimmung“. Hier entsteht durch den Konsumzwang und die aufkommende Dominanz der christlichen Symbole eine beeinflussende Stimmung, die vornehmlich auf die Kinder abzielt. In den Kindergärten und Schulen werden Geschenke verteilt, christliche Lieder und Geschichten erzählt und das Kommen des Weihnachtsmannes freudig erwartet. Aber auch radikal-fundamentalistische Christen, insbesondere Orthodoxe, wissen Weihnachten für ihre Zwecke zu nutzen, wenn sie alljährlich die Märchen von gutherzigen Kreuzfahrern aufgreifen, die von Friedfertigkeit und Frömmigkeit getrieben ins Heilige Land pilgerten und von barbarischen Ungläubigen (gemeint sind hier die Muslime) überfallen wurden und so gezwungen waren, sich zu verteidigen.
Dadurch kommen die Muslime in eine Situation, in der sie dem Assimilationszwang unterworfen werden und Gefahr laufen, ihre islamische Identität und den islamischen Standpunkt zur Symbolik anderer Religionen und Ideologien zu verlieren. Die Idee des sogenannten Euro-Islam erhält hierbei deutlichen Auftrieb, wenn die Muslime die Unvereinbarkeit des Islam mit anderen Ideologien verkennen. Weihnachten und das Neujahrsfest sind heute feste Bestandteile der westlichen Kultur und werden gesellschaftlich in einer Art und Weise umgesetzt, die es den Muslimen kaum ermöglicht, sich der Einflussnahme zu entziehen.
Es ist aus den islamischen Quelltexten, Qur’an und Sunna des Gesandten Muhammad (s.a.s.) sowie dem Konsens der Gelehrten, eindeutig ableitbar, dass das Feiern von religiösen Feiertagen der Nichtmuslime und die Gratulation hierzu Haram (verboten) sind.
At-Tirmidhi berichtet, dass Ibn Abbas (r.a.) vom Propheten (s.a.s.) überliefert:
„Derjenige, der andere als uns imitiert, ist nicht von uns. Ahmt nicht die Juden und Christen nach.“
Khalid Nizzamuddin


